Tipps für die Jahreszeit

Die Blutsauger-Saison ist eröffnet – Fakten zur Zeckenimpfung

In den Monaten April bis Oktober ist der gemeine Holzbock aktiv; klettert das Thermometer über 10 °C, steigen sein Durst und seine Angriffslust. Je wärmer der vorangegangene Winter, umso größer die Zahl der überlebenden Blutsauger, die in Garten, Wald und Feld ihren menschlichen und tierischen Opfern auflauern.   

Die beiden prominentesten Krankheiten, die per Zeckenbiss übertragen werden können:


Lyme-Borreliose
In Europa und Nordamerika ist die durch ein Bakterium verursachte Borreliose durch Zecken weit verbreitet. Mit dem Alter der Zecke steigt die "Chance", dass sie selbst mit Borreliose infiziert und somit ein Überträger (circa jede fünfte Zecke) ist. Auch die Dauer des Saugvorganges spielt eine Rolle: Je länger sie ihrem Wirt anhaftet, desto höher ist die Infektionsgefahr – zwar muss nicht jede Ansteckung zu einem Ausbruch der Krankheit führen – doch allein in Deutschland sind schätzungsweise 60.000 Menschen jährlich von dieser Multisystemerkrankung betroffen. Das Nervensystem, die Gelenke, Haut, Augen oder Herz können durch die Borreliose-Bakterien geschädigt werden.
Tückisch ist, dass zwischen fünf und 30 Tage vergehen, ehe die ersten Anzeichen der Borreliose zu erkennen sind, weshalb sie nicht immer mit dem Zeckenbiss in Verbindung gebracht werden. Das Auftreten von Fieber, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen wird manchmal als "Sommergrippe" missverstanden – doch Gefahr ist in Verzug, denn mithilfe einer Antibiotika-Behandlung muss den Borrelien der Garaus gemacht werden, bevor sie sich im ganzen Körper ausbreiten.
Eine Methode zur rechtzeitigen Erkennung der Infektion ist die Beobachtung der Einstichstelle. Spätestens, wenn sich die so genannte Wanderröte (Erythema migrans), ein roter, sich ausbreitender Fleck, dessen Zentrum hell bleibt, zeigt, muss man sich in ärztliche Behandlung begeben, damit ein chronischer Verlauf der Erkrankung verhindert werden kann. Allerdings ist das etwas tückisch. Denn dieser Fleck zeigt sich nur in einem Drittel aller Fälle. Deshalb auch lieber bei unspezifischen Symptomen einen Arzt um Rat fragen.
Einen Impfstoff gegen Borreliose gibt es für Menschen bislang nicht.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Im Gegensatz zur Borreliose tritt die Frühsommer-Hirnhautentzündung seltener auf, wird durch Viren ausgelöst und ist mittels Impfung vermeidbar. Durchgeführt wird die Schutzimpfung, für die mindestens zwei Verabreichungen notwendig sind, meist erst ab einem Alter von sechs Jahren. Auch bei der Zeckenschutzimpfung sind Nebenwirkungen nicht auszuschließen, deshalb sollte das Für und Wider mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden. Das Wohnen oder der zeitweise Aufenthalt in einem Risikogebiet oder ein geschwächtes Immunsystem können Gründe sein, sich für eine Impfung zu entscheiden. Vor allem im süddeutschen Raum ist FMSE zurecht gefürchtet.
Die Erkrankung macht sich zunächst, innerhalb von zwei bis 20 Tagen nach der Zeckenattacke, durch grippeähnliche Beschwerden bemerkbar, die nach ungefähr einer Woche eine Verschnaufpause einlegen – um nach dieser "Ruhe vor dem Sturm" zur Höchstform aufzulaufen. Fieber, starke Kopfschmerzen bis zum Erbrechen – Anzeichen, die auf eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute hinweisen. Therapiert werden kann lediglich symptomatisch, die Beschwerden können zwar gelindert, aber letztendlich muss die Krankheit durchgestanden werden. Antibiotika sind hier wirkungslos, da es sich bei der FSME um eine virale Infektion handelt. 
Das Positive daran: Die Erkrankung hinterlässt eine lebenslange Immunität. 

Maßnahmen, um den Zecken den Appetit zu verderben 

  • Da die potenziellen Krankheitsüberträger ihren Opfern gerne im Unterholz, an Waldrändern und auf Wiesen auflauern, sollte man diese Orte in der Zeckenzeit möglichst meiden.
  • Unter modischen Aspekten zwar sehr fragwürdig, aber in Bezug auf die Zeckenabwehr effektiv ist die Methode, die Hosenbeine in die Socken zu stecken. Helle Kleidung hat den Vorteil, dass die schwarzen, gierigen Zeitgenossen leichter entdeckt und entfernt werden können, bevor sie ihr Werk beginnen.
  • Einen guten Schutz für Wald-, Wiesen- und Gartenfreunde bieten Anti-Zecken-Sprays und -Cremes (Repellents); wir helfen Ihnen gern bei der Auswahl des geeigneten Mittels.
  • Nach dem Aufenthalt in gefährdetem Terrain ist eine gründliche (eventuell gegenseitige) Inspektion wichtig. Die dürstenden Krabbeltiere mögen weiche, gut durchblutete Regionen, verstecken sich gerne in Hautfalten, Knie- oder Achselhöhlen oder suchen an behaarten Stellen Unterschlupf.
  • Eine Untersuchung an der Lund-Universität in Malmö hat übrigens ergeben, dass übermäßiger Knoblauchkonsum nicht nur menschliche, sondern auch tierische Zeitgenossen (Zecken) abschreckt! 

Hat die Zecke bereits angebissen, bitte nicht mit Öl, Nagellack oder Klebstoff hantieren; während seines Todeskampfes injiziert das erstickende Tierchen eine geballte, möglicherweise mit Krankheitserregern belastete, Sekret-Ladung. 
Nachdem der Übeltäter komplett entfernt und die Einstichstelle desinfiziert ist, den Ort und Zeitpunkt des Vorfalls notieren. Die Einstichstelle muss längere Zeit beobachtet und im Zweifelsfall ein Arzt konsultiert werden.