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Meilensteine in der Medizin: Penicillin

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Eine Vielzahl von Erkrankungen, die vor noch gar nicht allzu langer Zeit tödlich waren, können heute dank zahlreicher wesentlicher Fortschritte der Medizin behandelt werden. Dazu zählen unter anderem Wundstarrkrampf, Scharlach und bakterielle Lungenentzündung. Noch im zweiten Weltkrieg verlief eine Infektion mit einer dieser Erkrankungen, je nachdem, um welche Erkrankung es sich gehandelt hat, mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit tödlich. Die Möglichkeit, ein Medikament einsetzen und Patienten damit heilen zu können, gibt es erst seit etwas weniger als hundert Jahren, also noch gar nicht besonders lange. Die Existenz von Penicillin mag für uns heute alltäglich anmuten – kurz nach seinem Durchbruch im vergangenen Jahrhundert aber galt es als Wundermittel und wurde sogar zur Schmuggelware.

Inzwischen gilt Penicillin als eine der wichtigsten Entdeckungen der modernen Medizin. Dabei hatte die Substanz, die zu den Antibiotika zählt, zunächst ihre Anlaufschwierigkeiten, richtig zur Kenntnis genommen zu werden. Penicillin wurde sogar mehrmals entdeckt, bevor der Wirkstoff im größeren Rahmen zur Behandlung von Menschen eingesetzt wurde. Tatsächlich wurde Penicillin bereits im 19. Jahrhundert als Substanz erkannt, die sich negativ auf das Wachstum von Bakterien auswirkt. Weitere Ärzte stießen auf den Wirkstoff, teilten ihre Erkenntnisse jedoch nicht in einem ausreichenden Maß mit der Öffentlichkeit. So dauerte es schließlich bis ins 20. Jahrhundert und benötigte ein hohes Maß an Zufall: Alexander Fleming experimentierte mit Bakterien und vergaß seine angesetzte Kultur über die Sommerferien. Bei seiner Rückkehr hatte sich ein Schimmelpilz gebildet – und die Bakterien hatten sich im direkten Umfeld dieses Pilzes nicht weiter verbreitet. Im Gegenteil, der Pilz war sogar in der Lage, die Bakterien zu verdrängen. Fleming schloss daraus, dass der Pilz eine Substanz enthalten musste, die schädlich für die Bakterien war. Bei dem Pilz handelte sich um Penicillium chrysogenum, damals noch als Penicillium notatum bezeichnet, und bei der Substanz, die Fleming schließlich daraus gewann, um Penicillin. Einer der wichtigsten Wirkstoffe der modernen Medizin ist also tatsächlich Bestandteil eines Schimmelpilzes.
Obwohl Fleming einige Experimente mit Penicillin machte, dauerte es noch einmal zehn Jahre, bis das Potenzial für die Behandlung von Menschen erkannt wurde. Dieses Mal waren es Howard Florey und Ernst Boris Chain, die zunächst durch Experimente an Ratten feststellten, dass Penicillin zuverlässig gegen Infektionen wirkte, die ohne Heilmittel tödlich gewesen wären.
Mit dem neuen Medikament wurden anfangs hauptsächlich Soldaten behandelt, bis schließlich genug Penicillin hergestellt werden konnte, um es auch zur Behandlung der zivilen Bevölkerung einzusetzen. Dabei beteiligte sich sogar das US-Militär daran, Bodenproben zu sammeln und den speziellen Pilz ausfindig zu machen, aus dem sich der Wirkstoff gewinnen ließ.

Dass Penicillin in so großen Mengen hergestellt werden und bei einer großen Bandbreite von Infektionen eingesetzt werden konnte, war zunächst ein Segen. Der Nachteil daran war jedoch, dass der Wirkstoff bald zu häufig angewendet wurde. Aus diesem Grund existieren heutzutage viele Bakterienstämme, die gegen Penicillin resistent sind. In diesen Fällen muss ein anderes Medikament verwendet werden.

Neben dem natürlichen Penicillin, dem Penicillin G, das von Fleming entdeckt bzw. wiederentdeckt wurde, gibt es inzwischen weitere Sorten des Wirkstoffs, die sich in ihrem Aufbau unterscheiden. Grundsätzlich wirkt Penicillin jedoch auf dieselbe Weise: Es schädigt die Zellwände der Bakterien, sodass diese letzten Endes absterben.
Heutzutage wird Penicillin nach wie vor gegen eine Vielzahl von Infektionen eingesetzt. Dazu zählen beispielsweise Bronchitis, Mittelohrentzündung, Hirnhautentzündung und Sepsis („Blutvergiftung“).
Das sind tatsächlich nur wenige Beispiele für die vielfältigen Anwendungsgebiete. Dabei hat Penicillin den großen Vorteil, dass es bereits bei Neugeborenen, während der Schwangerschaft und in der Stillzeit eingesetzt werden kann.

Obwohl Penicillin selbst bei den Allerkleinsten zur Behandlung genutzt werden kann, sind auch bei diesem Medikament Unverträglichkeiten oder sogar allergische Reaktionen möglich. Außerdem ist auch Penicillin nicht frei von Nebenwirkungen. Bei einer dem Patientn bekannten Unverträglich sollte das Medikament daher nicht eingenommen werden. Anzeichen einer Allergie können beispielsweise Schwellungen oder Rötungen sein. Im schlimmsten Fall jedoch kann es auch zu einem lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock kommen. Bei Schwellungen und Rötungen sollte vom behandelten Arzt abgeklärt werden, ob es sich dabei um eine Allergie oder Nebenwirkungen des Penicillins handelt.